Auch der beste und sicherste Karabiner kann zur Gefahr werden, wenn er nicht richtig verwendet wird. Hier haben wir die größten Gefahren und Möglichkeiten diese zu vermeiden einmal zusammengestellt.

Der so genannte Whip-Lash-Effect tritt auf, wenn der Karabiner mit dem Rücken, also der dem Schnapper abgewandten Seite, hart auf eine Fläche (z.B. die Felswand) anschlägt. Bei einem Sturz wird der Karabiner durch die Seilstraffung oft gegen die Wand geschlagen. Durch die Massenträgheit öffnet sich der Schnapper kurz.

Den WhipLash-Effect kann man leicht selbst simulieren: Einfach einen Normalkarabiner mit dem Rücken auf eine Tischkante oder in die eigene Handfläche schlagen. Das kurze Öffnen des Schnappers ist deutlich zu hören, wenngleich aufgrund der Geschwindigkeit mit dem Auge kaum wahrnehmbar. Diese kurze Öffnung des Formschlusses des Karabiners birgt gewisse Risiken.

Kommt es während der Öffnungszeit zu einer Belastung des Karabiners hat dieser nur noch weniger als die Hälfte der Festigkeit als im geschlossenen Zustand. Durch die teils recht hohen Kräfte bei einem Sturz kann es unter Umständen passieren, dass sich der Karabiner verbiegt. Ist die einwirkende Kraft zu groß, kann der Karabiner im schlimmsten Fall sogar brechen. Bei Drahtschnappern ist der Whip-Lash-Effekt aufgrund der geringeren Masse etwas weniger ausgeprägt als bei Karabinern mit Schnappern aus Vollmaterial (Full Gate). Einen echten Schutz gegen den Whip-Lash-Effekt bietet allerdings einzig unsere innovative Slider Expressschlinge. Diese Expressschlingen sind mit einem einfach zu öffnenden Verschlusskarabiner versehen. Mehr dazu im Kapitel „Verschlusskarabiner".

DIE QUERBELASTUNG – WIE KOMMT SIE ZUSTANDE?

Vielen Kletterern ist leider nicht bewusst, dass ein Karabiner, der über die Querachse belastet wird, weniger als die Hälfte der Festigkeit der Längsachse aufweist - und das obwohl der Formschluss gegeben ist.

Wie kommt eine Querbelastung zu Stande? Der Karabiner ist in einem weiten Bohrhaken so verrutscht, dass er über die Querseite belastet wird. Dies passiert bei Quergängen hin und wieder. Durch die Geometrie der D-förmigen Karabiner sollte der Karabiner normalerweise wieder in die richtige Position verrutschen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Öse der Schlinge weit genug ist und den Karabiner nicht steif in dieser Position hält. Daher immer die richtige Seite der Expressschlinge am Bohrhaken einhängen. Auch beim Verbinden von Sicherungsgeräten mit dem Gurt und beim Sichern, Ablassen oder Abseilen sollte stets eine Querbelastung vermieden werden. Hier kommen meist Verschlusskarabiner zum Einsatz. Um Querbelastungen zu verhindern haben einige Karabiner eine innenliegende Positioniermöglichkeit für den Einbindepunkt. Diese verhindern ein Verrutschen des Karabiners und garantieren somit eine optimale Festigkeit.

WAS VERSTEHT MAN UNTER EINER KNICKBELASTUNG?

Auch eine Knickbelastung eines Karabiners muss unter allen Umständen vermieden werden. Sind Haken oder Bohrhaken schlecht gesetzt, kann dies dazu führen, dass ein direkt eingehängter Karabiner über eine Felskante belastet wird. Die Folge: Eine Knickbelastung!
Unser Tipp: einfach eine Bandschlinge durch den Haken oder Bohrhaken fädeln. Durch diese Verlängerung hängt der Karabiner meist wieder frei an der Wand und kann seine volle Festigkeit in der Längsachse ausspielen.

WIE BEUGE ICH EINER OFFENBELASTUNG VOR?

Vorsicht beim Einklippen von Seilen oder Bändern in einen Karabiner oder beim Einklippen in eine Bohrlasche: der Karabiner muss immer vollständig geschlossen sein damit er seine volle Bruchlast trägt. Bleibt das Seil oder das Band an der Karabinernase hängen oder verhindert die Bohrlasche den Formschluss des Schnappers, so reduziert sich die Bruchlast auf deutlich weniger als die Hälfte. Bei starker Belastung kann der Karabiner sich also verbiegen oder gar brechen. Daher unbedingt, auch wenn es schnell gehen muss, immer darauf achten, dass der Karabiner vollständig geschlossen ist.

DIE WIRKUNG VON ABRIEB AUF KARABINER

Genau wie andere Gebrauchsgegenstände, nutzen sich Karabiner mit der Zeit ab. Da Karabiner allerdings als persönliche Schutzausrüstung im Bergsport genutzt werden, ist hier größte Vorsicht geboten. Sowohl durch direkten Kontakt zu Bohrhaken, als auch durch das Durchlaufen des Seils können über die Zeit scharfe Grate am Karabiner entstehen. Diese wiederum können das Seil beschädigen oder gar zu einem Seilabriss führen. Daher sollten Karabiner, die einen scharfen Grad aufweisen, ausgetauscht werden. Darüber hinaus reduziert sich durch den Abrieb das Material des Karabiners. Dies kann unter Umständen auch die Festigkeit des Karabiners beeinträchtigen.

Ein verdreckter Karabiner ist nur noch schwer zu bedienen und kann ein Risiko darstellen, wenn er nicht mehr richtig schließt. Daher sollte man Karabiner regelmäßig mit Wasser aus- und abspülen und unter Umständen die Verschlusssicherung mit säurefreiem Öl schmieren. Das überschüssige Öl muss in jedem Fall wegewischt werden! Das Bandmaterial von Expressschlingen sollte dabei auf keinen Fall mit Öl in Berührung kommen.

Auf Hochtouren oder beim Eisklettern ist das Material extremen Bedingungen ausgesetzt. Da kann es schon mal passieren, dass ein Karabiner zufriert. Dies kann unter Umständen ein ernstes Problem darstellen. Da Drahtschnapper weniger anfällig für ein Zufrieren sind, sollte man in solchen Bedingungen eher auf diese zurückgreifen.

Viele interessante Sportklettergebiete liegen in direkter Nähe zum Meer. Manche Routen starten gar in direkter Nähe zu den Wellen. Hier sollte man wissen: Salzwasser ist der natürliche Feind des Karabiners. Es greift das Material an und lässt es Korrodieren. Daher sollte man einen Karabiner, der mit Salzwasser in Berührung gekommen ist, sorgfältig mit klarem Süßwasser ab- und ausspülen. Gegebenenfalls sollte man den Verschlussmechanismus nach dem Abwaschen ölen. Hierfür sollte man in jedem Fall säurefreies Öl verwenden (Vorsicht: Bandmaterial nicht mit ölen!).