Ein Sturz in die Selbstsicherung und sei es auch nur ein kleiner Ausrutscher am Stand hat schnell fatale Folgen. Doch ab welcher Sturzhöhe genau wird es eigentlich kritisch? Und welchen Einfluss hat das verwendete Schlingenmaterial?

Selbstsicherung beim Klettern mit statischen Schlingen

Zur Selbstsicherung verwenden wir häufig Schlingenmaterial. Sei es am Stand beim Alpin- oder Mehrseillängen-Klettern, Umbauen am Umlenker beim Sportklettern oder auch zum Rasten im Klettersteig. Im Gegensatz zu dynamischen Kernmantelseilen, sind Schlingen für statische Belastungen ausgelegt. Dessen muss man sich bewusst sein, denn in der Anwendung hat dies entscheidende Folgen.
Ein Sturz in statische Schlingen kann schnell problematisch werden. Das Material ist nicht dafür konstruiert, dynamische Lasteinträge aufzunehmen. Selbst ein Sturz aus relativ geringer Höhe kann bereits zu einem Versagen führen.

 

Versuchsaufbau: Wir holen die Praxis ins Labor

Um die kritischen Fallhöhen, bei denen das System versagt, zu ermitteln, haben wir einen Versuch aufgebaut und verschiedene Höhen und Materialien getestet. Hierzu wurden die unterschiedlichen Selbstsicherungsschlingen an einem Anschlagpunkt mittels Karabiner fixiert (Simulation des Abseilstandes) und über einen Ankerstich im Anseilring mit einer Sturzmasse (80 kg) verbunden. Bei den Schlingen handelte es sich um im Ring vernähte Schlingen nach EN 566 mit einer Mindestbruchfestigkeit von 22 kN und einer Länge von 120 cm. Die Sturzmasse wurde aus verschiedenen Höhen ausgelöst und die Höhe, bei der es zu einem Versagen kommt, bestimmt. Dabei wurden die Höhen in 10 cm Schritten gesteigert und die Höhe, bei der es zu einem Bruch der Schlinge kommt, als kritische Sturzhöhe benannt.

Die Ergebnisse der Sturzversuche

Die Aramid-Schlinge mit 6 mm Durchmesser brach bei einer Fallhöhe von 50 cm, die 8 mm breite Dyneema-Schlinge bei 50 cm, die Tech Web-Mischgewebeschlinge bei 100 cm und die 16 mm breite Polyamid-Schlinge bei 190 cm. Gebrochen ist entweder die Schlinge im Ankerstich-Knoten oder der Anseilring, in den die Schlinge eingeknotet war.

BU: Fallhöhe, mit einem 80 kg Gewicht, bei der eine Selbstsicherungsschlinge (120 cm Länge) mit Ankerstich im Anseilring bricht. Dargestellt sind verschiedene Materialien.

 

Zusammengefasst zeigt sich, dass es bei Dyneema- und vor allem Aramid-Schlingen deutlich schneller zum Versagen kommt als bei Polyamid-Schlingen. Dieser Unterschied ist durch die deutlich geringere Bruchdehnung von Dyneema und Aramid gegenüber Polyamid zu erklären (siehe Tabelle 1). Polyamid dehnt sich deutlich mehr bis die Bruchfestigkeit erreicht wird als Aramid und Dyneema und nimmt so Energie auf bis es bricht. Allerdings stiegen die Fangstoßwerte auch bei Polyamid sehr schnell auf ein, für den menschlichen Körper unverträgliches, Maß an.

Deshalb lässt sich generell festhalten, dass ein dynamischer Lasteintrag in die Selbstsicherungsschlinge immer problematisch ist und verhindert werden muss.

 

Was gilt es also zu beachten bei der Verwendung von Selbstsicherungsschlingen?

Es ist wichtig, seine Selbstsicherungsschlinge immer belastet (also gespannt) zu halten. So wird ein dynamischer Lasteintrag verhindert. Falls es bspw. notwendig ist, den Abseilstand zu übersteigen (wenn sich ein Seilende oberhalb verhängt hat), sollte man entweder mit einem dynamischen Seil sichern oder einen Falldämpfer wie die EDELRID Absorber Sling als Selbstsicherungsschlinge nutzen.